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Von der Unfähigkeit der Natur, die Menschen zu verstehen

Kolumne von Prof. Dr. Norbert Gebbeken, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, veröffentlicht in der Bayerischen Staatszeitung vom 05.07.2024

05.07.2024 - München

Von der Unfähigkeit der Natur, die Menschen zu verstehen

"Natur und Menschen verstehen sich irgendwie nicht. Denken wir etwas über diese Zeilen nach, dann kommen wir zu dem Schluss, dass wir Menschen die meisten Naturkatastrophen selber verursachen und damit zu verantworten haben. Wir kennen grundsätzlich die Naturgefahren, aber wir setzen uns ihnen aus; wir siedeln in hochwassergefährdeten Gebieten und in seismisch gefährdeten Gebieten", sagt Kammerpräsident Prof. Dr. Norbert Gebbeken in der aktuellen Kammerkolumne in der Bayerischen Staatszeitung.

Kommentar / Kolumne

Von der Unfähigkeit der Natur, die Menschen zu verstehen

Bei jeder Naturkatastrophe wiederholen sich das Leid und die Verwunderung über Tote und das Ausmaß der Sachschäden. Reporter interviewen Betroffene und eigentlich könnte man die Antworten, die bei der letzten Katastrophe gegeben wurden, einfach wieder abspielen – unvorstellbar, nie dagewesen, völlig überrascht, jetzt schon wieder, man sprach doch von einem Jahrhunderthochwasser etc. Und es stellt sich wieder einmal die Frage, ob wir nichts aus der letzten Katastrophe gelernt haben.

Und die Süddeutsche Zeitung titelt am 16. September 2014 „Hier ist die Umwelt am feindlichsten“. Ich fasse es nicht. Hier wird das Ursache-Wirkungs-Prinzip auf den Kopf gestellt. Da brauche ich nicht die Naturwissenschaften zu bemühen, denn schon in der Bibel in Matthäus 15:18 steht:

„Tödliches gibt es in der Natur; Gefahren bereitet sie mir.
Aber Unreines gibt es in ihr nicht.“
.

Was wird damit ausgedrückt? Ja, es gibt Naturgefahren, aber die sind nicht unrein, weil sie natürlich sind. Die Natur reagiert immer natürlich – natürlich ist die Natur natürlich. Wie also würde die SZ-Überschrift richtig lauten müssen: Hier gehen die Menschen am dümmsten mit der Natur um.

Natur und Menschen verstehen sich irgendwie nicht. Denken wir etwas über diese Zeilen nach, dann kommen wir zu dem Schluss, dass wir Menschen die meisten Naturkatastrophen selber verursachen und damit zu verantworten haben. Wir kennen grundsätzlich die Naturgefahren, aber wir setzen uns ihnen aus; wir siedeln in hochwassergefährdeten Gebieten und in seismisch gefährdeten Gebieten. Und dann wundern wir uns, dass aus der Kombination von Gefahr und Exposition das Risiko entsteht, das die Quantifizierung (Monetarisierung) der Gefahr ist.

Für uns Katastrophenforscher, die in der Prävention tätig sind, ist es zum Haare raufen. Warum werden völlig klare Zusammenhänge nicht verstanden? Da sind doch einerseits die Naturgesetze, die teilweise seit 500 Jahren gelten und immer wieder bestätigt werden. Die gelten global und sind unabhängig von Weltanschauungen. Doch die werden zum Politikum, wenn es darum geht, sich vor Naturgefahren zu schützen. Denn nach jeder Naturkatastrophe heißt es, dass wir sicherer und resilienter werden müssen.

Das sind ja grundsätzlich gute Forderungen. Doch dann fragen wir die Fordernden, in der Regel „die Politik“, wie sicher und wie resilient wollen wir denn sein. Denn diese Antworten benötigen wir für den physischen Schutz. Und diese Antworten bekommen wir, die in der Prävention tätig sind, nicht. Denn die Antworten sind politisch äußerst heikel, weil es hier um Sicherheit für Menschen und Sachen, Kosten und (gesellschaftliche) Akzeptanz geht.

Sicherheit wird, selbst in Europa, nationalstaatlich geregelt.
Und damit beginnt das Dilemma. 

Die Normenausschüsse müssen die Ergebnisse der Naturgesetze mit einer nationalstaatlich festgelegten Sicherheitsstrategie überlagern. Das führt in Europa dazu, dass wir einerseits Normen europäisch harmonisieren, andererseits sie in nationalen Anhängen wieder nationalstaatlich anpassen.

Und das hat ganz praktische Konsequenzen. So verhält sich ein Erdbeben auf deutscher Seite anders als auf französischer Seite. Weiß das Erdbeben das? Holland sichert sich gegen ein 100.000-jährliches Hochwasser ab, Deutschland gegen ein 100-jährliches. Das ist am Dollart ganz schön blöd.

Ist dem Hochwasser klar, dass es gefälligst hinter dem deutschen Deich zu bleiben hat? Und weiß der Schnee, dass er sich gefälligst normgerecht zu verhalten hat? Er muss auf österreichischer Seite bitte anders fallen, als auf bayerischer Seite.

Das wäre ja alles kein Problem, wenn die Natur in den Normenausschüssen vertreten wäre. Ist sie aber nicht. Sie kommt auch nicht in meine Vorlesungen zum baulichen Bevölkerungsschutz. Es ist zum Haare raufen. Die Natur versteht uns Menschen nicht. Oder ist es möglich, dass wir die Natur nicht verstehen? Müssen wir vielleicht in Zeiten des Klimawandels radikal umdenken? So, wie es das bayerische Klimaschutzgesetz fordert. Schon Goethe formulierte:

„Denn die Natur ist aller Meister Meister,
sie zeigt uns erst den Geist der Geister.“


Kolumne von Prof. Dr. Norbert Gebbeken, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, veröffentlicht in der Bayerischen Staatszeitung vom 05.07.2024


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