17.07.2026 - München
Mit verschiedenen Formaten schafft das Netzwerk ingenieurinnen@bayika Raum für Austausch und Sichtbarkeit von Ingenieurinnen. Die Schwerpunkte setzen die Netzwerkmitglieder selbst. Den Impuls, sich in einem Workshop mit Change-Management zu befassen, gaben Katharina Wolgast, Angela Feldmann und Franziska Roos. Stephanie Sierig, Vorsitzende des Ausschusses Leben | Arbeit | Karriere, aus dem die Idee zum Frauennetzwerk stammt, reflektierte die ersten Monate des Netzwerks und nahm Anregungen zur Weiterentwicklung entgegen.
„Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu belassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“ - mit diesem Zitat von Albert Einstein eröffnete Ralf Wulf, Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, den Workshop "Change-Management", den das Netzwerk ingenieurinnen@bayika am 16. Juli 2026 in München ausrichtete.
Veränderung für Frauen in der Baubranche ist ein Wunsch, der bei vielen Ingenieurinnen sehr deutlich spürbar ist. Doch wie kann ein Wandel gelingen? In welchen Bereichen soll er stattfinden? Welche Schritte sind dafür nötig und welchen Gestaltungsspielraum gibt es für jede Einzelne? Die Workshop-Leiterinnen und Netzwerkmitglieder Katharina Wolgast, Angela Feldmann und Franziska Roos gaben den Anwesenden hierfür die Change Maker Roadmap an die Hand, die vom Verein Attitude Building Collective (ABC) erarbeitete wurde. Dieses Tool hilft dabei, Veränderungsprozesse strukturiert und Schritt für Schritt anzugehen.
Durch eine Kurzumfrage ermittelten Wolgast, Feldmann und Roos, welche Themen die Workshopteilnehmerinnen besonders beschäftigen und wo Veränderungen besonders dringend gewünscht sind: Fehlende weibliche Vorbilder, geschlechterspezifische Arbeitskultur und festgefahrene Denkweisen, (fehlende) Attraktivität der Führungsrolle, Mental Load und ungleiche Verteilung von Care-Arbeit sowie Selbstwahrnehmung.
Nachdem Klarheit über die Felder mit Veränderungswunsch hergestellt war, wurden die Ursachen hierfür analysiert, Lösungsansätze entwickelt und hinterfragt, wer hierfür Verantwortung trägt bzw. übernehmen könnte. In einem letzten Schritt befassten sich die Kleingruppen mit der Frage, in welchen Punkten jede Einzelne Selbstwirksamkeit hat bzw. wo sie beinflussen oder Impulse geben kann.
Ausgestattet mit diesem Handwerkszeug, Veränderungen zu gestalten, ging es zum zweiten großen Programmpunkt des Abends über: Reflexion der ersten Monate des Frauennetzwerks und Diskussion über die weitere Ausgestaltung. Stephanie Sierig stellte zunächst vor, zu welchen Themen das Netzwerk bereits aktiv ist: Sichtbarkeit und Vernetzung schaffen.
Sichtbarkeit erhalten die Ingenieurinnen beispielsweise über die schon 2025 gestartete Interviewreihe und das Veranstaltungsformat "Bauingenieurin: gestern, heute, morgen", das durch die Regionen tourt und Frauen mit unterschiedlichen beruflichen wie privaten Hintergründen die Bühne gibt, ihren Werdegang vorzustellen und Inspiration für andere zu sein. Beide Formate werden sehr positiv wahrgenommen und werden fortgeführt.
Wie schon bei der Gründungsveranstaltung des Frauennetzwerks im Februar 2026 kam der Wunsch nach einem Mentoringprogramm sowie regionalen Stammtischen auf. Spontan erklärten sich mehrere Anwesende bereit, in ihren Regionen Koordinatorin für Vernetzung vor Ort zu sein. Diese beiden Anregungen werden nun intern genauer ausgearbeitet und, wenn möglich, in absehbarer Zeit an den Start gebracht.
Eine deutliche Mehrheit sprach sich für Veranstaltungsformate in Präsenz aus, wobei auch Online-Treffen von Interesse sind. Es gab eine Vielzahl von konkreten Vorschlägen, welche Themen bei den künftigen Treffen behandelt werden sollen. Soft skills wie Rhetorik, Schlagfertigkeit und Führungsstil wurden ebenso genannt wie die Fachthemen KI oder BIM.
Generell wurde es als wertvoll empfunden, Erfahrungen mit anderen Frauen zu teilen und deren Herausforderungen und persönlichen Lösungswege als Inspiration für sich selbst mitzunehmen. Überlegt wurde, dass verschiedene Netzwerkmitglieder hierzu kurze Impulse von etwa 10 Minuten geben, die zur Diskussion und weiterem Austausch anregen.
Auch soll gesellschaftlicher Wandel erlebbar gemacht werden, beispielweise durch Veranstaltungen, bei denen Männer, die Teilzeit arbeiten, bzw. deren Arbeitgeber zu Wort kommen. Oder indem jeweils Frauen und Männer erzählen, wie sie objektiv gleiche Situationen erlebt haben. So kann ein Bewusstsein dafür entstehen, wo strukturelle Unterschiede liegen und wie sie beseitigt werden können.
Dieses Treffen des Netzwerks ingenieurinnen@bayika hat einmal mehr gezeigt, wie stark das Bedürfnis nach Austausch und Vernetzung von in der Baubranche tätigen Frauen ist und wie zahlreich und kraftvoll ihre Ideen für veränderte Rahmenbedingungen in der Bauwelt sind. Denn die Ingenieurinnen wollen bei der Gestaltung ihres Berufs- und Lebensweges aus den Vollen schöpfen können. Eine Teilnehmerin brachte es auf den Punkt:
"Ich möchte mich nicht entscheiden müssen.
Ich möchte vom ganzen Buffet essen!"
Das BayIka-Frauennetzwerk ist seit seiner Gründung rasant gewachsen und umfasst inzwischen bereits rund 200 Mitglieder. Die Meinungen und Wünsche all dieser Frauen sind der Kammer wichtig und sollen Gehör finden. Um bestmöglich herauszufinden, wo künftige Schwerpunkte des Netzwerks liegen sollen, wird in Kürze eine Umfrage unter den Netzwerkmitgliedern durchgeführt. Die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage werden dann beim nächsten großen Netzwerk-Treffen am 6. Oktober 2026 in Nürnberg vorgestellt, diskutiert und priorisiert.
Alle Netzwerks-News und den Anmeldelink zum geplanten Treffen am 6. Oktober gibt es in Kürze unter www.bayika.de/de/ingenieurinnen.
Hier können Sie sich für das Frauennetzwerk der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau kostenfrei registrieren:
Die Change Maker Roadmap gibt es kostenfrei zum Download:
Fotos: Bayerische Ingenieurekammer-Bau
Das Attitude Building Collective (ABC) hat im Rahmen des Projekts Change Maker eine Roadmap entwickelt, die Bauschaffenden dabei helfen soll Veränderungen in Planungsbüros aktiv voranzutreiben. Laden Sie sich das Dokument jetzt kostenfrei herunter!
Um Familie und Beruf in Einklang zu bringen, braucht es viel Abstimmung im Privaten, findet Maike Reuther, Tragwerksplanerin aus Regensburg. Ihre Erfahrung: Wenn Arbeitgeber ihren Mitarbeitenden bei der Arbeitszeitgestaltung entgegenkommen, ist das ein klarer Gewinn für beide Seiten. Beruflich bevorzugt sie gemischte Teams, aber einen Austausch rein unter Frauen, wie ihn das Netzwerk ingenieurinnen@bayika ermöglicht, schätzt sie sehr. Maike Reuther ist die achte Gesprächspartnerin unserer Interviewreihe mit Frauen im Ingenieurwesen.
Das Netzwerk "ingenieurinnen@bayika" ist ein Zusammenschluss der in der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau organisierten Frauen. Ziel des BayIka-Frauennetzwerkes ist es, den fachlichen und persönlichen Austausch zu stärken und die Frauen in den Bauberufen nachhaltig sichtbar zu machen. Um dies zu erreichen, laden wir regelmäßig zu Veranstaltungen in die verschiedenen Regionen Bayerns ein und interviewen Frauen aus dem Bauwesen. Die Kick-Off-Veranstaltung zur Gründung des Netzwerks ingenieurinnen@bayika.de fand am Donnerstag, den 5. Februar 2025 in München statt.
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