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Membranhülle aus textilen Segeln für neue Verbindungsbrücke

Sanierung des Schiller-Gymnasiums in Köln

19.08.2026 - Köln / Radolfzell

Membranhülle aus textilen Segeln für neue Verbindungsbrücke

Im Zuge von Sanierungs- und Erweiterungsmaßnahmen wurde das Schiller-Gymnasium in Köln-Sülz um einen neuen Baukörper ergänzt. Eine offen gestaltete, dreigeschossige Stahlkonstruktion verbindet Alt- und Neubau. Diesen funktionalen Übergang verwandelt eine Hülle aus textilen Segeln in ein raumbildendes Element. Auf beiden Seiten filtern die von der der ‚formTL Ingenieure für Tragwerk und Leichtbau GmbH‘ geplanten Membranflächen Sonnenlicht, schützen vor Witterung und bewahren zugleich den Bezug zum Schulhof und zur Umgebung.

Präzision und Leichtigkeit

Weich und fließend überlagert die textile Hülle die technische Stahlstruktur und gibt dem Übergang eine eigenständige architektonische Präsenz.

Das Konzept und die plastische Gestaltung der ineinandergreifenden Segel wurden vom Kölner Architekten Reinhard Angelis entwickelt. Realisiert wurde das Projekt in Arbeitsgemeinschaft mit Schilling Architekten, Köln, die die Bauleitung übernahmen. Vorgesehen war eine textile Lösung aus vorgespannten Segeln, die den Übergang nicht schließt, sondern Licht, Luft und Ausblicke zulässt.

An der Westseite wurden die Membranen zugleich für ein Vordach verwendet. Foto: Veit Landwehr Architekturfotografie  
An der Westseite wurden die Membranen zugleich für ein Vordach verwendet. Foto: Veit Landwehr Architekturfotografie

Für die Formfindung und die statische Berechnung wurden die Ingenieure der ‚formTL Ingenieure für Tragwerk und Leichtbau GmbH‘ als Spezialisten für leichte Flächentragwerke und Membrankonstruktionen beauftragt. Ihre Aufgabe bestand darin, die architektonische Idee in eine tragfähige und präzise ausführbare Konstruktion zu übersetzen. Denn das homogene Erscheinungsbild der textilen Hülle beruht auf einer Vielzahl individuell gelöster Details:

Da die Verbindungsbrücke nicht orthogonal zwischen den Gebäuden steht, verändern sich Winkel, Anschlussbedingungen und Geometrien von Segel zu Segel. Nahezu jedes Feld musste auf seine Position abgestimmt werden und zugleich Teil eines einheitlichen Gesamtbilds bleiben.

Die Stahlkonstruktion verfügt über mehrere Abspannpunkte. Foto: Veit Landwehr Architekturfotografie  
Die Stahlkonstruktion verfügt über mehrere Abspannpunkte. Foto: Veit Landwehr Architekturfotografie
Die Verbindungsbrücke vom Alt- zum Neubau des Gymnasiums mit Durchdringungs- und Abspannpunkten. Foto: Veit Landwehr Architekturfotografie  
Die Verbindungsbrücke vom Alt- zum Neubau des Gymnasiums mit Durchdringungs- und Abspannpunkten. Foto: Veit Landwehr Architekturfotografie
 

Zwei Ebenen, ein Gesamtbild

Besonders anspruchsvoll war die Ostseite: Hier überlagern sich die Segel ebenfalls in zwei Ebenen und formen im unteren Bereich ein Vordach zum Schulhof. Zugleich erzeugen zwei Materialien eine differenzierte Wirkung der Hülle: Ein durchlässiges PTFE-Mesh sorgt für Transparenz und Durchblicke, ein dichteres PTFE-beschichtetes Glasfasergewebe schützt stärker und streut das Licht weicher. Auf der Westseite unterstützt Meshgewebe die offene Erscheinung der Brücke.

Konstruktiv mussten die getrennt berechneten Membranflächen so zusammengeführt werden, dass sie tragfähig funktionieren und zugleich als gestalterisch zusammenhängende Hülle lesbar bleiben. Die Membranen sind nicht flach gespannt, sondern mit einer Krümmung ausgebildet. Erst dadurch lassen sich äußere Lasten aufnehmen und sicher in die Stahlkonstruktion einleiten. An einzelnen Punkten werden Druckstäbe durch die Membran geführt und binden die obere Lage an die Stahlstruktur zurück.

An der Ostfassade wurde das Segel von der Fassadenmembran zu einem Vordach erweitert. Abbildung: formTL  
An der Ostfassade wurde das Segel von der Fassadenmembran zu einem Vordach erweitert. Abbildung: formTL
Der Anschlag ist für mehrere Membranfelder ausgelegt. Abbildung: formTL  
Der Anschlag ist für mehrere Membranfelder ausgelegt. Abbildung: formTL
Ein Verbindungsknoten zweier Membranen mit Brückenanbindung. Abbildung: formTL  
Ein Verbindungsknoten zweier Membranen mit Brückenanbindung. Abbildung: formTL
 

Abstimmung im 3D-Modell

Die Umsetzung erforderte eine enge Abstimmung zwischen formTL, Architekten, Stahlbauer und Membrankonfektionär. Über 3D-Modelle wurden die Befestigungspunkte koordiniert und mit der Stahlkonstruktion abgeglichen. 

Die Kopfplatten für die Segelanschlüsse wurden bereits im Zuge der Stahlbauarbeiten an die Konstruktion geschweißt; Klemmleisten, Seile und Spannelemente bereitete der Konfektionär auf Grundlage der Werkstattplanung von formTL vor. Auf der Baustelle ließen sich die einzelnen Bauteile wie ein Baukastensystem montieren.

Die Montage der Membranflächen führte die Firma Montageservice LB aus. Foto: Montageservice LB  
Die Montage der Membranflächen führte die Firma Montageservice LB aus. Foto: Montageservice LB

Weiterbauen im Bestand

Am Schiller-Gymnasium zeigt sich, welches Potenzial textile Konstruktionen gerade beim Bauen im Bestand entfalten können. Die Membranhülle macht den Übergang zwischen Alt- und Neubau räumlich erlebbar. So wird aus einem funktionalen Verbindungsgang ein eigenständiges architektonisches Element - leicht in der Erscheinung, präzise in der Konstruktion und ein fließender Kontrapunkt zu den sachlich geprägten Schulbauten.

Die Westfassade bei Nacht. Foto: Montageservice LB  
Die Westfassade bei Nacht. Foto: Montageservice LB

Baudaten

Projekt: 
Schiller-Gymnasium in Köln/D

Bauherr: 
Stadt Köln/D

Architekten: 
ARGE Nikolausstrasse: Reinhard Angelis Planung Architektur Gestaltung (Planung) mit Schilling Architekten (Bauleitung), Köln/D

Membrane: 
Koch Membranen GmbH, Rimsting/D

Leistungen formTL: 
Tragkwerksplanung, Genehmigungsplanung, Ausführungs- und Werkstattplanung, Membrane/Anschlusspunkte

Stahlbau: 
Brinkmann Stahl- und Metallbau GmbH & Co. KG

Montage: 
Montageservice LB GmbH

Membranflächen: 
Ost: ca. 230 m², West: ca. 180 m²

Traufhöhe: 
ca. 14 m

Material Verseidag: 
GF-4500 PTFE-Type II, GFM 5000-21 PTFE Mesh

Fertigstellung: 
2026

Quelle: formTL Ingenieure für Tragwerk und Leichtbau GmbH, Fotos und Abbildungen: Veit Landwehr Architekturfotografie (1,2,3,4), formTL (5,6,7), Montageservice LB (8,9)

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