25.09.2026 - Düsseldorf
Die Zahlen sind eindeutig und betreffen viele Menschen: Im vierten Quartal 2025 waren laut aktuellem VDI-/IW-Ingenieurmonitor 96.760 Stellen in Ingenieur- und Informatikberufen offen, also 18,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Arbeitslosen in diesen Berufsfeldern stieg auf 58.392 – den höchsten Stand seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2011. Der VDI e.V. nimmt diese Entwicklung ernst und ordnet sie ein.
„Die konjunkturelle Schwäche und der Strukturwandel machen sich auf dem Arbeitsmarkt deutlich bemerkbar. ", betont VDI-Direktor Adrian Willig. „Aber der Fachkräftebedarf verschwindet nicht, er verändert sich. Deutschland braucht weiterhin qualifizierte Ingenieurinnen und Ingenieure, wenn wir in Zukunftsfeldern wie Energie, Digitalisierung und Medizintechnik wettbewerbsfähig bleiben wollen. “, so Willig weiter.
„Wirtschaftliche Transformationen spielen sich auch am Arbeitsmarkt ab und eine Konsequenz davon sind aktuell weniger offene Stellen. Die Gestaltung des Technologiestandorts Deutschland braucht jedoch langfristig kluge Köpfe und Umsetzer", ergänzt VDI-Arbeitsmarktexperte Maximilian Stindt.
Der aktuelle VDI/IW-Ingenieurmonitor 2025/IV, den der VDI e.V. und das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) gemeinsam herausgeben, modelliert die Entwicklung bis 2040. Im Best-Case-Szenario wächst die Beschäftigung in Ingenieur- und Informatikberufen auf rund 1,95 Millionen, also um 194.100. Das Basisszenario ist die Referenzgröße, welches die Beschäftigungsentwicklung bei gleichbleibenden Rahmenbedingungen fortschreibt – die zusätzlichen Fachkräfte beschreiben den Mehrwert, der durch gezielte Aktivierung von Frauen, Älteren und Zugewanderten gegenüber diesem Wert erschlossen werden kann.
Der volkswirtschaftliche Effekt davon auf Basis eines Wertschöpfungsbeitrags von 124.000 Euro pro Jahr pro Person: ein zusätzlicher Wertschöpfungsgewinn von 24,1 Milliarden Euro im Jahr 2040.
Damit dieses Potenzial realisiert werden kann, braucht es jetzt zwei Hebel:
Die Transformation von Branchen erfordert neue Qualifikationsprofile. Re-Skilling hilft Ingenieurinnen und Ingenieuren, Veränderungen in der eigenen Branche mitzugestalten oder gezielt in zukunftsfähige Bereiche zu wechseln.
Eine aktuelle Studie zu Qualifikation und Re-Skilling im Rahmen der VDI-Initiative „Zukunft Deutschland 2050“ zeigt, welche Maßnahmen wirksam sind und welchen Beitrag Unternehmen und Politik leisten müssen.
Der demografische Wandel engt das verfügbare Fachkräfteangebot systematisch ein. Der Ingenieurarbeitsmarkt muss offener werden: für Frauen, ältere Erwerbstätige und Zugewanderte. Eine weitere VDI-Studie zu Ingenieurinnen in Deutschland untersucht unter anderem, welche Rolle flexible Arbeitszeit- und Teilzeitmodelle für die Gewinnung und Bindung weiblicher Fachkräfte spielen. Im Best-Case-Szenario könnten bis 2040 allein durch mehr Frauen in Ingenieur- und Informatikberufen rund 91.700 zusätzliche Fachkräfte gewonnen werden.
„Wer jetzt in Qualifizierung investiert, mehr Frauen für technische Berufe gewinnt, erfahrene Beschäftigte länger im Erwerbsleben hält und die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte erleichtert, stärkt die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit des Technologiestandorts Deutschland", erklärt Adrian Willig.
Was die aktuellen Zahlen beschreiben, ist also nicht das Ende des Ingenieurberufs, sondern vielmehr Ausdruck einer tiefgreifenden wirtschaftlichen Transformation. Besonders sichtbar im Automobil- und Maschinenbaubereich: Branchen, die unter geopolitischem Druck und veränderter Nachfrage ihre Geschäftsmodelle neu ausrichten, verändern auch ihre Stellenprofile. Doch weniger Stellen von gestern bedeuten nicht zwingend weniger Bedarf von morgen.
Das belegt ein Blick auf die Engpasssituation am Ingenieurarbeitsmarkt: Auf 100 Arbeitslose in Ingenieur- und Informatikberufen kamen im vierten Quartal 2025 bundesweit noch immer 166 offene Stellen – in den Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufen lag die Kennziffer sogar bei 173. Der strukturelle Fachkräftemangel ist nicht verschwunden. Er ist derzeit überlagert.
Zugleich liefert die Altersstruktur im Zuge des demografischen Wandels ein klares Signal zum Ersatzbedarf: 28,5 Prozent der Erwerbstätigen in den Fachrichtungen Maschinenbau, Metallverarbeitung, Kraftfahrzeuge, Schiffe und Flugzeuge sind mindestens 55 Jahre alt. Diese Altersgruppe tritt in den kommenden Jahren nach und nach in den Ruhestand ein. Und: Trotz der anhaltend schwierigen konjunkturellen Lage verzeichnete die Beschäftigung in Ingenieur- und Informatikberufen noch ein leichtes Wachstum – ein Zeichen für die fortbestehende strukturelle Nachfrage.
Download
https://www.vdi.de/ueber-uns/presse/publikationen/details/ingenieurmonitor-2025iv
Quelle: VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V., Foto: Gorodenkoff / Adobe Stock
Die Social Media Buttons oben sind datenschutzkonform und übermitteln beim Aufruf der Seite noch keine Daten an den jeweiligen Plattform-Betreiber. Dies geschieht erst beim Klick auf einen Social Media Button (Datenschutz).
Jetzt Newsletter abonnieren!
Kammerwahl 2026
Sustainable Bavaria
Nachhaltig Planen und Bauen
Netzwerk junge Ingenieur:innen
Frauennetzwerk ingenieurinnen@bayika
Werde Ingenieur/in!
www.zukunft-ingenieur.de
Veranstaltungstipps
Einheitlicher Ansprechpartner
Berufsanerkennung
Professional recognition
Digitaltouren - Digitalforen
Bayerische Ingenieurekammer-Bau
Körperschaft des öffentlichen Rechts
Schloßschmidstraße 3
80639 München